Ein Foto hat oft genau die Farbstimmung, die ich für ein Riso-Projekt suche: eine satte Akzentfarbe, eine Glasur oder ein gebrochenes Rot, das auf weißem Papier unglaublich wirkt. Aber wie extrahiert man diese Farbe so, dass sie druckbar wird — speziell für den Risographen, mit seinen eigenen Tücken und Schönheiten? In diesem Text teile ich meine erprobte Vorgehensweise: von der Auswahl des Farbtons im Bild über die Umwandlung in eine druckbare Spot-Farbe bis hin zur Dateivorbereitung und zum Testdruck. Ich schreibe aus Erfahrung, mit vielen Versuchen, Fehlschlägen und überraschenden Erfolgen.

Was macht eine gute Riso-Akzentfarbe aus?

Bevor wir in die technischen Schritte gehen, ein bisschen Kontext: Riso-Farben sind transparente und stark pigmentierte Siebdruck-ähnliche Tinten. Sie wirken oft leuchtender auf weißem Papier, mischen sich beim Überdrucken und zeigen Textur durch die typischen Rasterpunkte. Eine gute Riso-Akzentfarbe ist deshalb:

  • kräftig genug, um auf dem Papier zu bestehen;
  • nicht zu dunkel, sonst verliert sie Leuchtkraft;
  • transparent, um Überdrucken-Effekte zu ermöglichen;
  • einfach zu mischen (Kombinationen aus 1–3 Platten sind praktikabler).
  • Schritt 1 — Auswahl des Farbbereichs im Foto

    Ich öffne das Foto in Photoshop (oder Affinity/GIMP) und suche die Stelle mit der gewünschten Farbwirkung. Meistens ist es nicht ein einzelner Pixelton, sondern ein kleiner Bereich mit Nuancen. Deshalb arbeite ich mit einer Auswahl, nicht nur einem Punkt-Pipette-Klick. So gehst du vor:

  • Wähle das Lasso-Tool oder das Auswahlrechteck und markiere den relevanten Bereich.
  • Alternativ nutze die Farbton/Sättigung-Maske (Select > Color Range in Photoshop), um ähnliche Farbtöne automatisch auszuwählen.
  • Der Vorteil einer Bereichsauswahl: du bekommst einen Durchschnittswert, der die natürliche Varianz des Fotos berücksichtigt und eine harmonischere Druckfarbe ergibt.

    Schritt 2 — Durchschnittsfarbe berechnen

    Mit der Auswahl kannst du in Photoshop via Filter > Blur > Average den Bereich zu einer einheitlichen Farbe zusammenfassen. In Affinity nutze ich Gaussian Blur und dann die Pipette auf die verschwommene Fläche. In GIMP geht das mit Filters > Blur > Pixelize oder durch Umwandlung der Auswahl in eine neue Ebene und anschließende Farbmittelung.

    So gewonnene RGB-Werte sind die Basis. Ich konvertiere sie sofort in LAB oder CMYK, um die Helligkeit und die Relation von Sättigung zu prüfen — LAB ist oft nützlicher, weil es unabhängig von Druckprofilen die Helligkeit (L) getrennt darstellt.

    Schritt 3 — Farbe für den Riso optimieren

    Risograph-Tinten haben keine exakte CMYK-Entsprechung; sie sind eigene Spot-Farben mit begrenztem Farbraum. Deshalb mache ich folgendes:

  • Reduziere die Sättigung leicht, wenn die Farbe im Foto zu neonartig wirkt. Riso gewinnt oft durch Transparenz und Überdrucken, nicht durch extreme Sättigung.
  • Hebe die Helligkeit ein wenig an, weil dunkle Farben im Riso manchmal „absaufen“.
  • Teste Konversionen: LAB → sRGB und LAB → CMYK (mit dem Profil, das deine Druckerei für Risodruck empfiehlt).
  • Wenn du unsicher bist, konvertiere in Adobe Illustrator/Photoshop in ein Spot-Farbprofil: New Swatch > Color Type: Spot und setze die LAB- oder RGB-Werte. Das erstellt eine Spot-Farbe, die du später als separaten Druckkanal exportieren kannst.

    Schritt 4 — Spot-Kanal erstellen und Datei vorbereiten

    Im Druckworkflow für Riso arbeite ich fast ausschließlich mit Spot-Kanälen (eine Platte pro Farbe). So bleibt die Kontrolle über Überdrucke und Reihenfolge.

  • In Photoshop: Window > ChannelsNew Spot Channel → gib deinen LAB- oder RGB-Wert ein. Benenne ihn z. B. „Riso-Accent-Orange“.
  • In Illustrator: Erstelle eine neue Farbfeld (Swatch) und setze Color Type auf Spot. Fülle deine Vektorflächen mit diesem Spot.
  • Wichtig: Jede Riso-Farbe sollte als eigene Schwarz/Deckkraft-Kanal ausgegeben werden (kein RGB/CMYK-Mix). So kannst du bei der Druckerei oder am Gerät die passende Schablone erstellen lassen.

    Schritt 5 — Halbtöne und Rasterung überlegen

    Risograph arbeitet häufig mit Raster- oder Bitmap-Halbtönen, je nach gewünschter Textur. Meine Optionen:

  • Vektorrisiken (Illustrator): Fülle mit Spot-Farbe — schärfere Konturen, saubere Flächen.
  • Gerasterte Bitmap (Photoshop): Für Verläufe und Texturen erstelle ich eine Graustufe und dann Image > Mode > Bitmap mit einem Screening (z. B. 45° oder 30° und 85–150 lpi je nach Auflösung).
  • Ich empfehle, mindestens 300–600 dpi als Ausgangsauflösung zu verwenden, je nach Detailgrad. Bei Bitmap-Halbtönen testete ich verschiedene Zeilenweiten; ein zu feines Raster kann auf Riso zu Streifenbildung oder ungleichmäßiger Tintenverteilung führen.

    Schritt 6 — Proofing und Testdruck

    Ein Monitorbild reicht nicht. Ich sende immer einen Testdruck — idealerweise auf dem gleichen Papier und mit derselben Maschine — oder drucke ein Proof auf meinem lokalen Tintenstrahler, um Helligkeit und Kontrast zu prüfen (nicht perfekt, aber hilfreich).

  • Wenn möglich: Drucke eine kleine Testserie mit 1–2 Platten, um Überdrucken-Effekte live zu sehen.
  • Notiere Druckreihenfolge; meistens setze ich hellere Farben zuerst, dunklere später, damit dunkle Pigmente nicht die Leuchtkraft heller Tinten dämpfen.
  • Beim ersten Proof fiel mir oft auf, dass zu gesättigte Farben „dichter“ wirken und das Papier weniger durchscheint — ein Effekt, den ich manchmal will, manchmal nicht. Passe dann Lab-Luminanz und Sättigung an und exportiere neu.

    Technische Hinweise zum Export

    Die Druckerei erwartet meist PDFs mit Spot-Kanälen oder einzelne TIFF/PDF-Dateien pro Platte. Meine Standard-Checks:

  • Spot-Kanäle korrekt benannt;
  • Transparenzen aufgelöst;
  • Schriften in Pfade konvertiert oder eingebettet;
  • Beschnitt und Anschnitt berücksichtigt (mind. 3 mm);
  • PDF/X-1a oder PDF/X-4 nach Absprache mit der Druckerei.
  • Wenn du Illustrator nutzt, exportiere ein PDF mit aktiven Spot-Farben. In Photoshop speichere die Datei als TIFF mit separaten Kanälen oder exportiere als multi-layer PDF mit Spot Channels.

    Praxis-Tipps aus meinen Experimenten

  • Bewahre eine kleine Swatch-Bibliothek: Ich speichere jede erfolgreiche Spot-Farbe als PDF/ASE, inkl. LAB-Wert und Notiz zur Papierart und Drucker.
  • Papierwahl ist entscheidend: Naturpapiere saugen mehr; glatteres Papier zeigt die Farbe leuchtender.
  • Überdruck testen: Zwei transparente Riso-Farben überdrucken kann Drittfarben ergeben — plane das ein oder experimentiere gezielt damit.
  • Arbeite mit einer lokalen Riso-Community: Oft haben andere Drucker konkrete Empfehlungen zu Tintenverhalten auf bestimmten Maschinen (Gestetner vs. Risograph 900).
  • ProblemUrsacheFix
    Farbe wirkt zu dunkelZu niedriges L in LABHelligkeit erhöhen, Sättigung leicht reduzieren
    Unregelmäßiger FarbauftragPapier oder Raster zu feinanderes Papier / gröberes Screening
    Überdrucken ergibt unerwünschte TöneFarben zu undurchsichtigTransparenz reduzieren, Reihenfolge ändern

    Wenn du magst, kann ich dir auch anhand eines konkreten Fotos zeigen, wie ich die Farbe auswähle und die Dateien vorbereite — schick mir ein Bild und ich arbeite ein kurzes Beispiel für dich aus. Oder sag mir, welche Riso-Maschine und welches Papier du verwenden willst; das beeinflusst die besten Einstellungen.