Halbtöne für den Risographen vorbereiten — ohne Photoshop, nur mit Illustrator oder Affinity Designer — ist eine meiner liebsten kleinen Herausforderungen. Ich mag, wie analoger Druck und digitale Präzision zusammenkommen: die rauen Farben des Riso mit sauber vorbereiteten Bitmap-Screens. In diesem Artikel zeige ich dir meinen Workflow, erkläre Einstellungen, Stolperfallen und gebe praktische Tipps, damit deine Halbtöne sauber, zuverlässig und druckbar werden.

Warum Halbtöne für Risograph anders denken

Bevor wir in die Software eintauchen: Risographen drucken mit festen Farben und erzeugen Tonabstufungen durch Punktraster. Anders als ein Tintenstrahldrucker oder ein Offsetprozess ist Riso sehr empfindlich gegenüber Linien- und Punktdetail. Daher ist es wichtig, die Bilddaten so vorzubereiten, dass die Rasterpunkte stabil gedruckt werden und sich nicht zu feinen Linien oder flimmernden Flächen auflösen.

Welche Ergebnisse will ich erzielen?

Wenn ich Halbtöne für Riso erstelle, habe ich drei Ziele:

  • Saubere Übergänge ohne flimmernde Strukturen.
  • Robuste Punktgrößen, die auf dem Papier sichtbar bleiben.
  • Vorhersagbare Druckbarkeit – also keine Details, die auf dem Riso verschwinden.

Vorbereitung: Bildauswahl und Auflösung

Wähle ein Bild mit klaren Kontrasten. Feinste Details können später verloren gehen — das ist okay, oft ergibt sich daraus ein schöner, grafischer Charakter. Ich arbeite gerne mit 300 dpi als Ausgang, oft reicht für Halbtoneffekte jedoch auch 200 dpi. Wichtig: größer arbeiten und bei Bedarf runterrechnen. Bei Vektorgrafiken (Illustrator) arbeite ich direkt in Vektor, bei Fotos in Affinity oder Illustrator mit platziertem Bild.

Workflow in Illustrator (ohne Photoshop)

Illustrator kann Bitmap-Halbtöne über Effekte erzeugen und erlaubt sehr präzise Kontrolle übers Vektor-Layout. So mache ich das:

  • Bild platzieren: Datei → Platzieren. Skalieren, sodass das Bild in gewünschter Druckgröße vorliegt.
  • In Graustufen umwandeln: Objekt → Rastereffekt → Farbe auf Graustufen setzen (oder Bild in Affinity/GIMP vorab in B/W konvertieren).
  • Effekt anwenden: Effekt → Pixelate → Color Halftone. Hier lege ich die Max.-Radius (Punktgröße) fest und den Winkel für den Screen.
  • Bild rastern: Damit der Halftone nicht als Live-Effekt verloren geht, rastern (Objekt → Rasterisieren) auf der gewünschten Auflösung (mind. 300 dpi).
  • Bild in Pfade umwandeln (optional): Rasterbild nachverfolgen (Objekt → Bildnachzeichner) um echte Vektorpunkte zu erhalten — das ist bei sehr grafischen Stilen nützlich, aber kann bei feinen Halbtönen zu massiven Dateien führen.

Wichtig bei Color Halftone: Illustrator simuliert klassische Halbtöne, aber die Form der Punkte ist rund. Viele Riso-Drucker reagieren gut darauf, manchmal möchte ich aber rechteckige oder andere Punktraster — dann nutze ich Vektor-Tricks oder Affinity.

Workflow in Affinity Designer (als Photoshop-Alternative)

Affinity Designer lässt sich gut mit Affinity Photo ergänzen; letzteres hat stärkere Raster-/Halftone-Tools. Wenn du nur Designer nutzt, geht es so:

  • Platzieren oder öffnen: Bild in Affinity Designer einfügen.
  • Zu Affinity Photo wechseln: Rechtsklick auf das Bild → Rasterize to Bitmap, dann mit Edit in Affinity Photo.
  • In Affinity Photo: Filter → Stilisieren → Halftone. Dort kannst du Punktgröße, Form und Winkel einstellen.
  • Alternativ: Filter → Pixelate → Color Halftone (ähnlich wie in Illustrator) oder Filter → Distort → Halftone Studio (je nach Version).
  • Wenn du kein Photo hast, nutze Masken und Ebenenmodus in Designer, exportiere dann als Bitmap mit 300 dpi.

Wichtige Einstellungen: Frequenz, Winkel, Punktform

Diese drei Parameter bestimmen, wie der Halbtone am Ende aussieht.

Frequenz (LPI) Bei Riso eher niedrig: 20–45 lpi. Höhere Werte können auf feinerem Papier funktionieren, führen aber schnell zu dünnen Linien oder Moiré.
Winkel Für einzelne separierte Farben wähle ich oft 15°–22°; für überlagernde Screens (wenn du mehrere Farben combinierst) achte auf unterschiedliche Winkel, um Moiré zu vermeiden. Bei Riso ist weniger oft mehr — zufällige leichte Abweichungen ergeben den DIY-Charakter.
Punktform Runde Punkte sind klassisch. Quadratische oder elliptische Punkte verändern den visuellen Eindruck und können je nach Tintenauftragsverhalten mehr oder weniger Drucktinte aufsaugen.

Praktische Tipps zur Dateierstellung

  • Flat Colors: Für Riso trenne jede Druckfarbe als eigene Ebene oder Datei – der Drucker arbeitet ja ebenfalls farbweise.
  • Schwarze Vorlagen: Halbtöne als reine Schwarzkanäle exportieren (z. B. PNG, TIFF), die dann im Riso-Konverter in die jeweilige Druckfarbe gelegt werden.
  • Vermeide sehr feine Linien: Alles unter ~0,15 mm kann dezent oder ganz verschwinden.
  • Testdrucke: Probiere schnell auf dem Laserdrucker oder mit kleinen Riso-Proofabzügen, bevor du große Auflagen machst. Das erspart Ärger.
  • Trim und Bleed: Halte Schnittkanten sauber, und lasse 3–5 mm Beschnitt, damit bei Registrierung kleine Verschiebungen nicht sichtbar werden.

Export und Dateiformat

Ich exportiere Halbtone separat pro Farbe als 1-bit oder 8-bit TIFF/PNG mit Namen wie plakat_cyan_halftone.tif. Viele Riso-Studios erwarten Bitmap-Dateien in Graustufen, die sie dann einfärben. Wenn du Mehrfarbüberlagerungen planst, exportiere jede Ebene einzeln.

Problembehebung: Was tun, wenn es schiefgeht?

Ein paar typische Fälle, die mir passiert sind:

  • Halbtöne erscheinen verwaschen: Häufig zu kleine Punktgröße oder zu hohe Frequenz. Erhöhe Radius / senke LPI.
  • Punkte “breiten” sich auf dem Papier aus: Pixel zu dicht oder Papiersorte ungeeignet — wechsle zu festerem Papier oder reduziere Tintenauftrag.
  • Moiré beim Überdrucken: Winkel neu wählen oder auf weniger Raster pro Ebene setzen. Testen hilft.

Mein Lieblings-Setup

Für Posterdrucke auf leicht saugfähigem Papier benutze ich oft:

  • Frequenz: 30 lpi
  • Punkt-Radius: so gewählt, dass dunkle Bereiche solide erscheinen, helle jedoch punktiert bleiben
  • Winkel: 18°
  • Export: 1-bit TIFF, 300 dpi, separate Dateien pro Farbe

Das Ergebnis ist grafisch, etwas rau und sehr vorhersehbar im Druck – genau der Look, den ich beim Riso mag.

Tools und Plugins, die helfen

Einige nützliche Helfer:

  • Affinity Photo — starke Halftone-Filter, gute Photoshop-Alternative.
  • Astute Graphics Plugins für Illustrator — erweitern Nachzeichner- und Effektmöglichkeiten.
  • GIMP — kostenlose Alternative mit guten Halftone-Filtern, wenn du Photoshop wirklich nicht nutzen willst.

Wenn du magst, kann ich dir auch eine kleine Vorlage (.ai oder .afdesign) mit meinen Grundeinstellungen erstellen, die du anpassen kannst. Schreib mir, welche Druckfarbe(n) und Formatwunsch du hast — dann sende ich dir eine Datei, die du direkt ins Riso-Studio mitnehmen kannst.