Eine modulare Posterreihe zu entwerfen, die sowohl für Risographie, Siebdruck als auch für den Digitaldruck skaliert werden kann, klingt auf den ersten Blick nach vielen Kompromissen. In meiner Arbeit habe ich jedoch gelernt, dass genau diese Beschränkungen spannende Designentscheidungen erzwingen — und oft zu stärkeren, klareren Grafiken führen. In diesem Beitrag teile ich meine Herangehensweise: von der Struktur über Farbtrennung bis hin zu technischen Dateivorgaben, damit dein Entwurf in allen drei Verfahren funktioniert.

Was meine ich mit «modular»?

Für mich bedeutet modular: ein Set von Bausteinen (Raster, Formen, Farbflächen, Typo-Module), die sich zu unterschiedlichen Kompositionen kombinieren lassen. Ein Modul kann eine typografische Kachel, eine Bildaussparung, ein Farbschnitt oder eine grafische Regel sein. Der Vorteil ist, dass du mit wenigen Elementen viele Varianten gestalten kannst — ideal für Serien, Ausstellungen oder Wiedererkennungs-Kampagnen.

Gestalterische Grundregeln

  • Reduktion: Weniger ist mehr. Drucktechniken wie Risographie und Siebdruck lieben klare Flächen und hohe Kontraste. Komplexe Raster oder feine Verläufe verlieren oft an Wirkung.
  • Kontrast zwischen Fläche und Typo: Sorge für ausreichend Weißraum und klare Hierarchien. Typo sollte auch in gedruckter, teildurchlässiger Farbe gut lesbar sein.
  • Flexible Einheiten: Arbeite mit einem modularen Raster (z. B. 12 oder 16 Spalten) und festen Modulgrößen, damit Elemente einfach getauscht oder verschoben werden können.
  • Farben als Bausteine: Wähle eine limitierte Palette (2–5 Spotfarben) und definiere klare Regeln, wie Farben kombiniert werden dürfen.

Dateiaufbau: So organisiere ich meine Arbeitsdateien

Ich arbeite meist in Adobe Illustrator für Vektorgrafiken und InDesign, wenn es viele Layouts zu koordinieren gibt. Für Bildmanipulationen nutze ich Photoshop. Wichtige Prinzipien:

  • Arbeite in CMYK oder besser in Lab auf RGB-Basis für digitale Entwürfe, aber plane immer Spotfarben (Pantone oder RISO-Farbcodes) als separate Ebenen.
  • Lege für jede Spotfarbe eigene Ebenen an: z. B. Spot_01_Blue, Spot_02_Pink. So kannst du beim Export die Trennung der Druckfilme oder Ebenen einfach steuern.
  • Verwende klare Benennungen und eine Layer-Hierarchie: Background, Modules, Typography, Spot_Screens, Cutlines.
  • Füge einen Anschnitt (Bleed) von 3–5 mm hinzu; bei Siebdruck eventuell mehr, je nach Papier und Rahmen.

Farbwahl und -trennung: Der Kern für Risographie und Siebdruck

Risographie und Siebdruck arbeiten idealerweise mit Spotfarben. Das bedeutet, dass du Farben nicht als zusammengesetzte CMYK-Flächen anlegst, sondern als einzelne, druckbare Farben.

  • Risographie: Typische RISO-Farben (z. B. RISO Red, RISO Fluoro Yellow) haben transluzente Eigenschaften. Das Spiel mit Überdrucken führt zu interessanten Mischfarben — plane also Überdrucke bewusst ein.
  • Siebdruck: Opake oder halbtransparente Farben sind möglich, und Deckweiß kann als Träger eingesetzt werden. Für feine Raster oder Schattierungen nutze ich Schablonen mit Rasterpunktmustern (Halftones).
  • Digitaldruck: Arbeitet oft in CMYK (plus optionalen Pantone- oder Sonderfarben). Hier musst du sicherstellen, dass Spotfarben in CMYK konvertierbar sind oder als Sonderfarbe ausgegeben werden können.

Halbtonraster und Texturen

Halbtonraster sind ein gutes Mittel, um Tonwerte in Sieb- und Riso-Drucken zu simulieren. Ich nutze abgestufte Raster oder gepunktete Texturen, die in größeren Abständen noch sauber gedruckt werden. Wichtige Punkte dabei:

  • Wähle eine Punktgröße, die von der Druckerei empfohlen wird (bei Siebdruck oft gröbere Punkte als im Offset).
  • Vermeide sehr feine Raster bei Risographie — die Maschine kann Details «weichzeichnen».
  • Teste Rasterwinkel, damit sich Überdrucken-Farben nicht ungewollt moiréen.

Maßstab und Skalierung

Dein modulares System sollte in mehreren Formaten funktionieren: A3, A2, A1 oder auch quadratisch. Meine Regeln:

  • Arbeite in Vektoren für skalierbare Elemente (Typo, Linien, Flächen).
  • Definiere Modulgrößen in mm, nicht in Pixeln, damit sie unabhängig von der Auflösung bleiben.
  • Wenn du Bildmaterial verwendest, achte auf mindestens 300 dpi bei der finalen Druckgröße. Größere Formate können mit 150–200 dpi auskommen, je nach Betrachtungsabstand.

Technische Vorgaben pro Druckverfahren

VerfahrenFarbenAuflösungBesonderheiten
Risographie Spotfarben (RISO-Töne), transluzent 300 dpi empfohlen Überdrucken erzeugt Mischfarben; keine echte Volltondeckung
Siebdruck Spotfarben, opak möglich, Deckweiß Rasterpunkt- oder Vektordaten Starke Farbdeckung, manuelles Anlegen der Siebe
Digitaldruck CMYK (plus Sonderfarben) 300 dpi Fotorealistische Verläufe möglich; Pantone-Konvertierung nötig

Export & Prüfdruck

Ich exportiere für jede Druckwerkstatt eine spezifische Version:

  • Für Risographie: PDF mit separaten Ebenen pro Spotfarbe, jeweils als Vektor- oder Bitmap-Ebene mit 300 dpi; zusätzliche Hinweise zu RISO-Farbcodes.
  • Für Siebdruck: Einzelne PDF- oder EPS-Files pro Farbe (ein Film = ein Sieb), plus eine Datei mit Schnittmarken und Positionierung (Registration).\li>
  • Für Digitaldruck: CMYK-PDF mit eingebetteten Bildern (300 dpi) und Pantone-Angaben, falls Sonderfarben verwendet werden.

Prototyping: Tests, Tests, Tests

Ich lege großen Wert auf Proofs. Kleine Testläufe sparen später Zeit und Material:

  • Arbeite mit lokalen Druckereien oder Shared-Studios (z. B. RISO-Studios), um Farbverhalten live zu sehen.
  • Mache Passproben: Lege zwei oder drei Farben übereinander und prüfe, wie sich Transparenz verhält.
  • Probiere verschiedene Papiere aus: Naturpapiere absorbieren Farbe stärker, glänzende Papiere lassen Farben leuchten.

Praxis-Tipps aus meinem Atelier

  • Halte eine feste Palette von Modulen bereit — so kannst du schnell neue Motive für eine Serie erzeugen.
  • Dokumentiere Farbwerte: Notiere RISO-Codes, Pantone-Nummern oder Mischanweisungen. Das vereinfacht Nachdrucke.
  • Nutze Overprint-Preview in Illustrator/InDesign, um zu sehen, wie transparente Spotfarben sich überlagern.
  • Wenn du mit Hand- und Digitaltechniken mischst (z. B. Collage + Vektor), scanne die Collagen in hoher Auflösung und vektorisiere nur die benötigten Konturen.

Wenn du möchtest, kann ich dir eine einfache Template-Datei (AI/INDD) schicken, die mein moduläres Raster und die Ebenenstruktur enthält — ideal als Ausgangspunkt für deine eigene Serie. Sag mir welches Format du bevorzugst und für welches Druckverfahren du zuerst testen möchtest.