Ich zeige dir eine einfache, praktikable Methode, wie du mit zwei selbstgemachten Farbfiltern und einer Smartphone‑Kamera präzise Pantone‑ähnliche Akzentfarben für die Risographie extrahieren kannst. Ich nutze das oft, wenn ich schnelle Vorlagen für Risodrucke vorbereite oder ein Gefühl für eine spot‑ähnliche Farbe haben möchte, bevor ich teuren Proof‑Druck oder Farbmuster bestelle. Die Lösung ist bewusst analog‑digital: zwei körperliche Filter, ein Smartphone (idealerweise mit RAW‑Option) und ein bisschen Bildbearbeitung — kein teures Spektralfotometer nötig.

Warum diese Methode?

Risographie arbeitet mit Spotfarben und halbtransparenten Pigmenten. Digitale Dateien in RGB oder CMYK vermitteln oft nicht zuverlässig, wie ein Farbauftrag in Riso aussieht. Mit zwei Filtern kannst du die spektralen Anteile einer Fläche in zwei getrennten Messungen einfassen und daraus eine nahe Annäherung an die tatsächliche subtraktive Tintenwirkung berechnen. Für schnelle Entscheidungen, Farbproben und für Kombinationen (z. B. Gelb + Neonpink) ist das Gold wert.

Materialien

  • Smartphone mit guter Kamera (RAW möglich, z. B. neuere iPhones oder Android‑Flaggschiffe)
  • Stativ oder fester Aufbau (Handwackler vermeiden Präzision)
  • Graukarte (18% Grau) oder weißer, matter Karton
  • Zwei durchsichtige Farbfolien/Filter: z. B. Theaterfarbfolien (Rosco), dichroitische Filter, oder Selbstbau mit farbigem Overhead‑Folie und alkoholbasierter Tintenfärbung
  • Makro‑ oder Zoom‑Aufnahme (kein Weitwinkel) — Abstand 30–50 cm
  • Bildbearbeitungsprogramm: Lightroom/Photoshop oder kostenlose Alternativen wie RawTherapee + GIMP
  • Optional: Pantone Connect oder ein Offline‑Pantone‑Fächer zur Bestimmung der nächsten Pantone‑Nuance

Wie ich die Filter baue

Ich habe zwei praktikable Varianten:

  • Theater‑Gels: Rosco/Lee Farbfolien sind preiswert, transparent und farbtreu. Sie lassen sich leicht schneiden und kombinieren.
  • DIY‑Folien: Klare Overhead‑Folien (Mylar) mit Alkohol‑Ink oder wasserlöslichen Aquarell‑Flüssigfarben vorgestrichen. Wichtig: dünne, gleichmäßige Schichten; rühren und trocknen lassen, damit keine Blasen entstehen.

Für die Methode brauchst du zwei Filter mit unterschiedlicher spektraler Durchlässigkeit — typischerweise ein gelb‑marigold und ein cyan‑blau oder ein warmes Magenta‑Äquivalent. In meinen Tests funktionierten Kombinationen aus Gelb + Cyan und Magenta + Gelb jeweils gut, je nachdem welche Zielfarbe du trennen willst.

Aufbau und Aufnahme

  • Lege die Probe deines Zieltons flach auf eine matte, neutrale Unterlage.
  • Plaziere die Graukarte neben der Probe im Bildausschnitt für spätere Weiß‑/Belichtungs‑Korrektur.
  • Montiere das Smartphone auf ein Stativ, so dass die Kamera rechtwinklig zur Probe schaut (reduziert Verformung).
  • Nutze gleichmäßiges, diffuses Licht (Fensterlicht mit Diffusor, Softbox, oder Tageslicht über Wolken). Kein direktes Spotlicht.
  • Mache drei Aufnahmen im RAW‑Format: ohne Filter, mit Filter A und mit Filter B. Halte Belichtung und Weißabgleich (so gut es geht) konstant. Wenn möglich: feste Belichtung (Lock AE/AWB).

Bildbearbeitung: Rohdaten aufbereiten

Ich öffne die RAW‑Dateien in Lightroom oder RawTherapee und folge diesen Schritten:

  • Weißabgleich über die Graukarte anpassen — das sorgt für konsistente Werte.
  • Belichtung und Kontrast minimal korrigieren, aber keine Sättigung/Schärfe ändern.
  • Exportiere die drei Bilder als 16‑Bit TIFFs (falls möglich) oder hochqualitative JPEGs.

Die eigentliche Extraktion (einfache Rechenmethode)

Das Prinzip: Die Filter verändern die wahrgenommene RGB‑Antwort. Mit den drei Bildern kannst du eine einfache lineare Auflösung verwenden, um die rgb‑Anteile "vor" und "nach" Filterung zu schätzen. Ich erkläre die vereinfachte Vorgehensweise, die in den meisten praktischen Fällen sehr brauchbare Resultate liefert.

  • Öffne die drei Bilder in Photoshop oder GIMP als Ebenen (kein Farbprofilwechsel).
  • Wähle exakt dieselbe Zielfläche (z. B. 200×200 px) in allen drei Bildern und notiere die mittleren RGB‑Werte.
  • Du hast nun drei RGB‑Tripel: R0,G0,B0 (ohne Filter), RA,GA,BA (Filter A) und RB,GB,BB (Filter B).

Nun kannst du versuchen, die spektrale Dämpfung der Filter zu modellieren. Ich nutze oft eine einfache inverse Methode: berechne die Differenzen (R0−RA, R0−RB etc.) und interpretiere diese als relative Blockanteile für Rot/Grün/Blau. Anschließend konvertiere ich die resultierenden RGB‑Werte in CIEXYZ und dann in CIELab, weil Lab näher an der sichtbaren Farbwahrnehmung liegt und gut für Vergleich mit Pantone ist.

Wenn dir das zu technisch ist: es gibt auch Apps/Plugins (z. B. Color Plane Pro, oder selbstgebaute Skripte in Excel/Google Sheets), die diese Matrix‑Rechnung automatisch durchführen können, wenn du die drei Messwerte eingibst.

Matching zu Pantone

Sobald du ein Lab‑Wert hast, kannst du:

  • in Photoshop unter Farbe -> Lab eingeben und dann zu Bibliotheken -> Pantone konvertieren (genauigkeit abhängig von installiertem Pantone‑Plugin).
  • oder Pantone Connect verwenden: dort kannst du Lab‑Werte eingeben und nach der nächsten Pantone‑Farbe suchen.
  • wenn du keinen Zugang zu Pantone‑Tools hast: den Lab‑Wert mit einem physischen Fächer vergleichen — das gibt oft das beste Ergebnis.

Tipps zur Genauigkeit

  • Verwende diffuse, konstante Beleuchtung. Schatten oder wechselndes Licht ruinieren Messungen.
  • Sperre Belichtung und Weißabgleich auf dem Smartphone.
  • Nimm mehrere Messungen an verschiedenen Stellen der Fläche und mittlere die Werte.
  • Die Filtersättigung sollte mäßig stark sein — zu stark bedeutet Verlust von Informationen, zu schwach ergibt wenig Trennung.
  • Vergleiche regelmäßig mit echten Riso‑Probedrucken; das kalibriert deine Erwartungen an die Genauigkeit.

Praktische Beispiele aus meinem Studio

Neulich wollte ich eine leicht neongelbe Akzentfarbe für ein Plakat. Ich verwendete eine lebhafte Gelbfolie als Filter A und ein kühles Cyan als Filter B. Nach der Aufnahme und Auswertung landete ich bei einem Lab‑Wert, der in Pantone‑Landschaft nahe bei Pantone 803 C lag. Für die Risographie habe ich dann eine gelbe Riso‑Tinte (typisch "Process Yellow") mit einem kleinen Anteil Neonpink kombiniert — das Ergebnis war nicht exakt Pantone, aber in der wahrgenommenen Helligkeit und Chromazität sehr nah.

SchrittWas ich überprüfe
AufnahmeWeißabgleich, keine Reflexionen, RAW
FilterGleichmäßige Färbung, moderate Dichte
BearbeitungGraukartenabgleich, Export in 16‑Bit
MatchingKonvertierung in Lab, Abgleich mit Pantone/Muster

Erwartungen und Grenzen

Diese Methode ist sehr nützlich für schnelle Farbabstimmungen und um ein Gefühl für mögliche Riso‑Kombinationen zu bekommen. Sie ersetzt jedoch kein Spektralfotometer oder den physischen Pantone‑Proof, besonders wenn absolute Farbsicherheit (z. B. Corporate Identity) erforderlich ist. Faktoren wie Papierfarbe, Tintenauftrag, Stapelung mehrerer Durchgänge und Transparenzverhalten bei Risodruck beeinflussen das Endergebnis stark.

Wenn du magst, kann ich dir ein kleines Excel‑Sheet oder ein Photoshop‑Action‑Set bauen, das die drei Messwerte entgegennimmt und die Lab‑Konversion plus Pantone‑Suche halbautomatisch macht. Schreib mir einfach, welche Werkzeuge du nutzen willst — ich teile gern die Vorlagen, die ich in meinem Workflow benutze.