Vintage‑Magazine in Collage‑Poster zu verwandeln ist für mich eine der spannendsten Arten, alten Bildmaterialien neues Leben einzuhauchen. Gleichzeitig stellen sich schnell rechtliche Fragen: Darf ich Bilder aus alten Zeitschriften verwenden? Was gilt als Public Domain? Wie stark muss ich ein Bild verändern, damit ich keine Urheberrechte verletze? In diesem Beitrag erkläre ich meine Herangehensweise — praktisch, konkret und rechtssicher so weit das allgemein möglich ist.

Worauf du rechtlich achten musst

Im deutschen Urheberrecht ist wichtig: Illustrationen, Fotos und Texte sind in der Regel geschützt, solange der Urheber nicht länger als 70 Jahre tot ist. Das heißt nicht automatisch, dass “alt” gleich frei nutzbar ist. Viele Magazine nutzen Werke von Künstler*innen, Fotograf*innen oder Agenturen, deren Rechte heute noch bestehen.

Was du also prüfen solltest:

  • Verlags- und Urheberangaben im Heft: Sind Fotograf*innen, Illustratoren oder Agenturen genannt?
  • Veröffentlichungsdatum: Wann ist die Autorin/der Autor gestorben? (70 Jahre)
  • Lizenzen: Wurde das Material ursprünglich unter einer speziellen Lizenz veröffentlicht (z. B. Creative Commons)?
  • Orphan Works: Manche Werke haben keine auffindbaren Rechteinhaber — das ist rechtlich kompliziert und unsicher.

Wichtig: Anders als in den USA gibt es in Deutschland kein generelles „Fair Use“. Die einzige sichere Methode ist, Material zu nutzen, das gemeinfrei ist, eine Erlaubnis einzuholen oder das Material so zu transformieren und zu kombinieren, dass ein neues, eigenständiges Werk entsteht — wobei auch das nicht immer absolut risikofrei ist.

Quellen, die ich nutze

Ich unterscheide drei sichere Arten von Quellen:

  • Public Domain / Gemeinfreie Werke: Beispiel: Illustrationen aus sehr alten Magazinen oder Werken von Künstler*innen, die seit über 70 Jahren tot sind. Solche Motive darfst du frei nutzen.
  • Creative Commons & freigegebene Archive: Plattformen wie Wikimedia Commons, Europeana oder staatliche Bildarchive bieten oft Material mit klaren Lizenzangaben.
  • Gekaufte oder lizenzierte Scans: Wenn du seltene Magazine verwenden willst, lohnt sich manchmal eine Lizenz oder die Zustimmung eines Verlagshauses.

Wenn du unsicher bist, frage lieber nach: Ein kurzes E‑Mail an den Verlag oder Rechteinhaber kann oft schnell klären, ob eine Erlaubnis nötig ist und ob sie gegen eine geringe Gebühr erteilt wird.

Meine Vorgehensweise beim Erstellen eines Collage‑Posters

Hier ist mein Workflow — von der Auswahl über das Scannen bis zur finalen Ausgabe:

  • Materialauswahl: Ich blättere Magazine auf, fotografiere oder notiere potenzielle Motive. Oft kombiniere ich sehr unterschiedliche Stile: Modefotografie, Werbegrafiken, Typo‑Elemente.
  • Rechtliche Prüfung: Für jedes ausgewählte Bild notiere ich Veröffentlichungsjahr und Urheberangaben. Wenn klar ist, dass das Werk geschützt ist und ich keine Lizenz habe, entferne ich es oder ersetze es.
  • Scannen / Fotografieren: Für Druckqualität scanne ich mit mindestens 300 dpi, bei feinen Details oder großen Drucken 600 dpi. Alternativ fotografiere ich mit einer DSLR und gutem Licht.
  • Bildbearbeitung: In Photoshop oder Affinity Photo entferne ich unerwünschte Flecken, passe Farben an und bereite Ebenen vor. Ich arbeite nicht destruktiv — Ebenen und Masken sind mein Freund.
  • Collage‑Layout: In InDesign oder Photoshop arrangiere ich die Elemente. Oft kombiniere ich digitale Schnitte mit handgerissenen Papierkanten, um Materialität zu bewahren.
  • Transformation und eigenes Design: Ich füge Übermalungen, Rastereffekte, neue Typografie und Schnittkanten hinzu. Ziel ist stets, ein neues, eigenständiges Werk zu schaffen — nicht nur ein Zusammensetzen geschützter Bilder.
  • Druckvorbereitung: Ich exportiere in CMYK, überprüfe Beschnitt und Farbprofile (ICC) und lasse am besten einen Probedruck machen.

Praktische Scaneinstellungen (Tabelle)

Verwendungszweck DPI Color Mode
Web / Social 72–150 dpi RGB
Druck (A3 und kleiner) 300 dpi RGB scan → CMYK konvertieren
Großformat (Poster, Plakat) 600 dpi (oder größer bei Detailbedarf) RGB scan → kolorische Anpassung in CMYK

Wie stark musst du ein Bild verändern?

Das ist eine häufig gestellte Frage. Rechtlich gibt es keinen festen Prozentwert. Wichtiger ist das Ergebnis: Entsteht ein neues, eigenständiges Werk mit eigener Ausdruckskraft? Ich achte darauf, dass:

  • Das Original nicht mehr als Hauptmotiv erkennbar bleibt — ich schichte, maskiere, male darüber, kombiniere mit Typo und neuen grafischen Formen.
  • Meine Arbeit eine eigene „Funktion“ erhält: z. B. eine neue Botschaft, ein anderes Narrativ oder eine grafische Abstraktion.
  • Wenn Elemente zentral bleiben (z. B. ein Portrait), frage ich im Zweifel um Erlaubnis.

Ein Beispiel: Ein Fotoportrait, das ich stark mit Papierstücken, Farbe und Typografie übermale, kann als neues Werk auftreten — aber bleiben die Gesichtszüge klar erkennbar, ist das rechtlich sensibler.

Tipps zur ästhetischen und handwerklichen Umsetzung

Collage lebt von Kontrasten: alt vs. neu, glatt vs. rau, Typo vs. Illustration. Hier einige meiner Lieblingsmethoden:

  • Risskanten statt gerader Schnitte: Handgerissene Papierkanten geben Tiefe.
  • Siebdruck‑Overlays: Transparente Siebdruckschichten verbinden und überlagern Motive.
  • Typo als grafisches Element: Nutze Buchstaben aus Anzeigen oder redaktionellen Überschriften und setze sie großflächig ein.
  • Halbtonraster und Rastereffekte: Mit Photoshop‑Filtern oder echten Rasterfolien kannst du Vintage‑Charakter verstärken.
  • Materialmix: Stoff, Tape, transparente Folien und handgeschriebene Notizen geben Authentizität.

Dokumentation und Kennzeichnung

Selbst wenn du sorgfältig arbeitest, kann es nützlich sein, transparent zu dokumentieren, welche Quellen du verwendet und welche Rechte du geprüft hast. Auf deinem Blog oder dem Druck kannst du ein kleines Impressum oder einen Hinweis anbringen:

  • Quellenangaben (z. B. Magazinname, Ausgabe, Jahr)
  • Hinweis auf eigene Bearbeitung (z. B. „basierend auf Archivbildern, bearbeitet von…“)
  • Kontaktmöglichkeit für Rechteanfragen

Was tun, wenn du nicht sicher bist?

Wenn du Wertvolles vorhast — z. B. Verkauf von Postern, Ausstellung oder große Auflage — ist der sichere Weg:

  • Rechteinhaber recherchieren und um Erlaubnis bitten.
  • Gegebenenfalls eine Lizenz erwerben. Viele Verlage sind verhandlungsbereit für kleine Auflagen.
  • Alternativ auf Public‑Domain‑Material oder Creative‑Commons‑Werke zurückgreifen.

Für rein persönliche Projekte oder experimentelle Arbeiten, die nicht verkauft werden, bin ich oft mutiger — trotzdem vermeide ich direkte, unveränderte Reproduktionen geschützter Fotos in hoher Sichtbarkeit.

Wenn du willst, kann ich in einem nächsten Beitrag konkrete Quellenlisten (Wikimedia‑Sammlungen, digitale Bibliotheken, Alamy‑Alternativen) und ein kleines Musteranschreiben für Rechteanfragen formulieren. Sag mir, ob du mehr technische Vorlagen (Photoshop‑Actions, InDesign‑Layouts für Poster) oder rechtliche Mustervorlagen bevorzugst.