Farben sind für mich oft der erste Schritt zu einer Idee. Bei einem Festival-Branding mit begrenztem Farbspektrum — sagen wir: drei Farben — geht es nicht darum, Einschränkungen zu fürchten, sondern sie zu nutzen. Eine reduzierte Palette schafft Wiedererkennbarkeit, spart Druckkosten und zwingt dich zu klareren Entscheidungen in Komposition und Typografie. Hier teile ich meinen Prozess, meine Tricks und praktische Tipps, wie du aus drei Farben eine starke, einprägsame Posterreihe für ein Festival entwickelst.

Warum drei Farben?

Drei Farben sind eine wunderbare Balance: mehr Ausdruckskraft als eine Zweifarbigkeit, aber übersichtlicher als ein volles Spektrum. Mit drei Farben kannst du Hierarchien bilden, Kontraste schaffen und unterschiedliche Stimmungen für einzelne Poster beibehalten, während die Serie als Ganzes kohärent bleibt. Außerdem erleichtert eine begrenzte Palette die Produktion — besonders beim Siebdruck oder beim Vierfarbdruck mit partiellen Flächen.

Schritt 1: Die richtige Farbauswahl

Ich beginne immer mit einem Moodboard. Sammle Bilder, Texturen und Bemerkungen zum Festival: Ist es urban oder ländlich? Elektronisch oder akustisch? Jung und wild oder elegant? Die Stimmung entscheidet, welche Farbfamilie passt.

  • Primärfarbe: Die prägnanteste Farbe, die sofort ins Auge fällt — sie trägt das Logo, Headline-Elemente oder dominante Flächen.
  • Sekundärfarbe: Unterstützt die Primärfarbe, schafft Tiefe und kann für sekundäre Informationen genutzt werden.
  • Akzentfarbe: Kontrastiert und setzt Highlights — Leiter für Call-to-Action oder besondere Grafikelemente.

Ich arbeite gerne mit einer Kombination aus warmen und kühlen Tönen plus einem neutralen Ton. Beispiel: ein warmes Ziegelrot (Primär), ein kühles Petrol (Sekundär) und ein warmes Beige oder Dunkelgrau (Akzent/Neutral). Für die technische Präzision empfehle ich, Farben in Pantone- oder CMYK-Werten festzulegen — Pantone für Siebdruck/Spotfarben, CMYK/RGB für digitale Anwendungen. Tools wie Adobe Color, Coolors oder die Pantone-Fächer sind hier sehr hilfreich.

Schritt 2: Farbkontraste und Lesbarkeit

Jede Postergestaltung muss lesbar sein — insbesondere bei Außenplakaten. Achte auf ausreichenden Kontrast zwischen Text und Hintergrund. Ein simpler Test: drucke ein sw-Foto des Designs oder betrachte es auf dem Monitor mit reduzierter Sättigung. Kannst du die Hierarchie noch klar erkennen?

Für Barrierefreiheit nutze kontraststarke Kombinationen oder setze Umrandungen/Schlagschatten ein, wenn du helle Texte auf buntem Hintergrund platzierst. Tools wie WebAIM Contrast Checker helfen, die Farbkontraste nach WCAG-Richtlinien zu prüfen, auch wenn es sich um Print handelt — sie geben einen guten Anhaltspunkt.

Schritt 3: Regeln für Varianten innerhalb der Serie

Damit eine Reihe als Einheit funktioniert, braucht sie Regeln. Ich lege vor dem Entwurf eine kleine Style-Map fest:

  • Farbaufteilung: Welche Farbe ist dominant auf welchem Poster? Gleichmäßig rotieren oder thematisch zuordnen (z. B. Headliner = Primärfarbe, Workshops = Sekundärfarbe)?
  • Typografische Hierarchie: Einheitliche Schriftfamilien und klare Regeln für Größe/Abstände.
  • Grafische Elemente: Wiederkehrende Formen (Kreise, Linien, Raster), ikonografische Details oder Texturen, die alle Poster verbinden.

Ich erstelle kleine Templates in InDesign oder Affinity Publisher: ein Master mit Grid, ein Headline-Block, ein Info-Block. Diese Templates beschleunigen die Produktion und sorgen für konsistente Platzierung von Datum, Ort und Line-up.

Schritt 4: Experimente mit Drucktechniken

Die Wahl der Drucktechnik verändert die Wirkung der Farben enorm. Hier meine Erfahrungen:

  • Siebdruck: Spotfarben (Pantone) sind ideal. Sie bieten satte Flächen und erlauben Experimente mit Transparenz und Überdrucken. Zwei bis drei Siebe sind machbar und erschaffen eine haptische, materielle Qualität.
  • Offset/Digitaldruck: Mit CMYK kannst du feine Verläufe und Fotoinhalte umsetzen. Achtung: kräftige Farben wie Neon erfordern spezielle Tinten oder Coatings.
  • Risoprint: Für einen charakteristischen, leicht unregelmäßigen Look. Sehr gut geeignet, wenn du eine indie-Ästhetik anstrebst.

Wenn du Spotfarben verwendest, bestimme früh Pantone-Nummern und kommuniziere sie an die Druckerei. Wenn du auf Digitaldruck setzt, kontrolliere Farbprofile (ISO Coated für Offset, sRGB/AdobeRGB für Web) und mache Proofs.

Schritt 5: Texturen, Raster und Materialität

Natürlichkeit und Haptik machen Poster interessant. Ich experimentiere oft mit:

  • eingescannten Papieren und Collagen
  • Siebdruck- oder Handdruckenetzen als Overlays
  • Typografischen Störungen wie abgeschnittenen Buchstaben oder Handlettering-Elementen

Diese Elemente kannst du in einer einzigen Farbe als Struktur über oder unter Farbfeldern platzieren. So bleibt die Palette reduziert, wirkt aber komplexer. Beim Scannen achte auf hohe Auflösung (300–600 dpi) und evtl. separaten Grobkontrast, um die Struktur im Druck zu erhalten.

Schritt 6: Variation ohne Verlust der Kohärenz

Innerhalb einer Serie willst du Unterschied schaffen — für verschiedene Acts, Tage oder Räume — ohne die Wiedererkennbarkeit zu zerstören. Einige Tricks:

  • Wechsle die dominante Farbe pro Poster (Rotation).
  • Verändere die Anordnung von Formen und Bildern, behalte aber die gleiche Typo und das gleiche Grid.
  • Nutze die Akzentfarbe nur für bestimmte Elemente (z. B. Ticket-Info), so entsteht ein gezielter Wiedererkennungspunkt.

Ich markiere für jedes Poster die „Ankerpunkte“: Logo-Position, Headline-Zone, Informationsblock. Diese bleiben konstant. Alles andere darf variieren.

Praktische Werkzeuge und Materialien

Ein paar meiner Lieblingswerkzeuge für solche Projekte:

  • Adobe Illustrator/Indesign oder Affinity Designer/Publisher
  • Pantone Guide für Spotfarben
  • Scanner (Epson V600) für Texturen und Collagen
  • Siebdruck-Materialien: Emulsion, Rakel, Papiere (Munken, Fedrigoni)
  • Marker und Stifte (Edding, Faber-Castell) für schnelle Mockups und Handlettering

Proofing, Tests und Feedback

Bevor du die gesamte Auflage drucken lässt, mache Tests. Drucke Prototypen auf dem gleichen Papier und bei derselben Druckerei, wenn möglich. Kleine Änderungen in Papiergewicht oder Lack können Farben verändern. Beim Siebdruck ist ein Farbregistertest wichtig, damit Überdrucken und Transparenz wie geplant aussehen.

Hol dir Feedback von Außenstehenden: Ein Fresh-Pair-of-Eyes erkennt oft Lesbarkeitsprobleme. Ich lasse Designs auch ein paar Tage ruhen — so sehe ich später oft, wo die visuelle Hierarchie nicht funktioniert.

Kommunikation mit der Druckerei

Sprich offen über Dateien, Farbprofile und Beschnitt. Sende eine Paketdatei mit:

  • PDF/X-1a oder PDF/X-4
  • Pantone-Referenzen oder CMYK-Farbwerte
  • Proof- oder Referenzdrucke
  • Druckauflösung (mind. 300 dpi für Bilder)

Gute Druckereien geben dir technische Datenblätter und Probedrucke. Wenn möglich, vereinbare einen Testsprint oder kleine Auflage zur Prüfung.

Wenn du möchtest, kann ich dir mein kleines Template-Set schicken — mit Grid, Typo-Regeln und einer Farbfächer-Vorlage — das du direkt für Festivalposter übernehmen oder adaptieren kannst. Sag mir kurz, welche drei Farben du ins Auge gefasst hast, und ich zeige dir, wie sie in der Serie wirken würden.