Warum ich Halbtöne mit dem Risograph zuhause liebe

Halbtöne eröffnen eine einfache, aber wirkungsvolle Möglichkeit, mehrfarbige Tiefe in Poster, Illustrationen und experimentelle Drucke zu bringen — ohne auf teure Offset- oder Siebdruck-Setups angewiesen zu sein. Als jemand, der gerne analog und digital kombiniert, habe ich über die Jahre ein kleines, verlässliches Workflow für zuhause entwickelt, das präzise und reproduzierbar ist. In diesem Artikel erkläre ich dir Schritt für Schritt, wie du mit einem einfachen Risograph-Setup saubere Mehrfarb-Halbtöne erzielst.

Was du wirklich brauchst — die Minimal-Ausrüstung

Bevor wir loslegen: du brauchst kein Studio. Mit wenig Platz und einem überschaubaren Budget kannst du bereits sehr gute Ergebnisse erreichen.

  • Ein Risograph-Drucker (z. B. RISO MZ, RISO EZ / RZ-Modelle). Gebrauchte Modelle sind oft bezahlbar.
  • Transparente Filme oder Inkjet-Folien für die Positiv-Filme (für Belichtung/Separation), alternativ starke Papierabzüge für manuellen Transfer.
  • Raster-/Halbtongenerator in Photoshop, Affinity, GIMP oder einem RIP-Programm.
  • Gutes Papier (80–300 g/m²; ich benutze gerne Munken, Fedrigoni oder Recyclingpapiere).
  • Feines Klebeband, Registrierschablonen oder selbstgebaute Passerleisten für genaue Ausrichtung.
  • Geduld, Testdrucke und eine kleine Ordnungsecke.
  • Grundprinzipien der Mehrfarb-Halbtöne

    Halbtöne funktionieren, indem sie Tonwerte in Rasterpunkte übersetzen. Beim Risograph sind die typischen Herausforderungen:

  • Registertreue (mehrere Farben müssen exakt übereinander liegen)
  • Rasterfrequenz und -winkel (um Moiré zu vermeiden)
  • Ink-Dichte und Transparenz (wie die Farben übereinander wirken)
  • Wenn du diese drei Aspekte verstehst und kontrollierst, wirst du schnell konsistente Ergebnisse haben.

    Rasterauflösung, Punktgröße und Winkel

    Die meisten Risograph-Master arbeiten mit groberen Punkten als Offset. Deshalb nutze ich bewusst niedrigere Rasterfrequenzen und größere Punktgrößen — das harmoniert besser mit der Mechanik des Geräts.

    Begriff Typischer Bereich für Riso Wirkung
    Rasterfrequenz (lpi) 10–45 lpi Grobere Raster vermeiden feine Moirés und passen zur Tintenverteilung
    Punktgröße groß/kräftig Deutliche Punkte, guter Kontrast, wirkt handwerklich
    Rasterwinkel 15°–45° Winkelabstand zwischen Farben reduziert Moiré; typische Kombination z. B. 15°/45°/75°

    Ein häufiger Fehler ist, zu feine Raster zu wählen. Meine Faustregel: je grober die Tinte, desto grober der Raster. Für viele Poster wähle ich 18–28 lpi.

    Digitale Vorbereitung — Separation und Screening

    Ich bereite meine Dateien in Photoshop vor, weil ich die Kontrolle schätze. So gehe ich vor:

  • Arbeitsfarbraum in CMYK (nur zur Tonwertdarstellung) oder direkt in RGB und anschließend separieren.
  • Graustufenbild erstellen, da Halbtöne meist über Helligkeit gesteuert werden.
  • Halbton-Filter anwenden: Filter → Pixelate → Color Halftone (Photoshop) oder über Bitmap → Halftone Screen (für exaktere Kontrolle).
  • Pro Farbe separate Ebenen/Dateien anlegen. Jede Farbe wird als eigene Positiv-Master gedruckt.
  • Wichtig: Kontrolliere die Größe und Ausrichtung der Rasterpunkte in 100% Zoom. Manchmal ist der visuelle Eindruck am Bildschirm trügerisch — mache immer Testplots.

    Wahl der Farben und Überdrucke

    Risograph-Farben sind halbtransparent. Das ist ein Vorteil: Überdrucke erzeugen neue Farben. Ich plane meine Layer so, dass sie zusammenspielen:

  • Starte mit der hellsten Farbe als Untergrund (z. B. Gelb) — sie wirkt als Basis.
  • Füge dunklere Farben schichtweise hinzu (Magenta, Cyan, Schwarz).
  • Beachte, dass overlapping Flächen dunkler und sättigter werden. Plane Tonwerte entsprechend.
  • Ein Tipp: Erstelle vorher Farbtests mit kleinen Quadraten, die übereinandergedruckt werden, um die Mischwirkung zu sehen.

    Registertreue — einfache Tricks für zuhause

    Präzises Register ist der Schlüssel. Professionelle Studios nutzen Pins oder Klammern; ich arbeite oft mit einfachen, aber effektiven Methoden:

  • Klebeband-Register: Klebe zwei parallele Streifen oben und unten ans Papier, auf denen du leicht markierst. Das Papier rutscht weniger.
  • Passerleisten: Schneide aus stabiler Pappe oder MDF eine Leiste mit einer Kante, an der das Papier anliegt.
  • Fenstermethode: Drucke kleine Passermarken in den Ecken (Quadrate oder Kreuze) und richte dann die Master so aus, dass die Marken exakt übereinanderliegen.
  • Bei groberen Halbtönen reichen oft kleine Abweichungen — das gibt einen charmanten, handgemachten Look. Wenn du jedoch feinere Arbeiten machst, investiere in eine kleine Registraturvorrichtung oder baue dir eine Holzleiste mit Metallpins.

    Testdrucke — so vermeidest du Frust

    Mach viele kleine Tests, bevor du den finalen Druck startest. Ich drucke zunächst auf günstiges Papier in 1/4 Größe, um Dichte, Register und Raster zu prüfen. Achte auf:

  • Dot-Gain: wie sehr die Punkte zulaufen (bei saugigem Papier stärker)
  • Position: ob sich das Motiv beim zweiten oder dritten Druck verschiebt
  • Farbmischung: ob Überdrucke die gewünschten Töne ergeben
  • Notiere die Einstellungen (Rastergröße, Winkel, Druckreihenfolge), damit du reproduzierbar arbeiten kannst.

    Praktische Workflow-Empfehlung

    Hier meine Schritt-für-Schritt-Routine, die sich zuhause bewährt hat:

  • Datei vorbereiten und in separate Farb-Layer separieren.
  • Halbton-Raster einstellen (z. B. 25 lpi, 15° / 45° / 75°).
  • Testmaster drucken und auf günstiges Papier ausprobieren.
  • Register markieren und Papier fixieren (Klebeband/Leisten).
  • In der Reihenfolge von hell nach dunkel drucken.
  • Zwischen den Druckgängen lüften lassen (Tinte braucht Zeit zum Trocknen).
  • Endkontrolle und ggf. kleinere Korrekturen durch Zusatzlayer.
  • Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

    Ein paar Fehler begegnen mir immer wieder — und ich habe gelernt, sie zu antizipieren:

  • Zu feine Raster → verwende gröbere Einstellungen.
  • Verschiebungen beim Einlegen → verwende Passermarken und fixiere das Papier.
  • Zu viel Tinte auf saugendem Papier → wechsle Papier oder reduziere Tintendurchgang.
  • Moiré-Muster → ändere einen der Rasterwinkel oder die Frequenz.
  • Materialien und Marken, die ich empfehle

    Ein paar Dinge, die mir gute Dienste leisten:

  • RISO-Maschinen (gebraucht von seriösen Händlern) — solide und für kleine Auflagen ideal.
  • Munken-, Fedrigoni- oder Arches-Papiere — unterschiedliches Saugverhalten, probiere Musterbücher.
  • Transparente Inkjet-Folien für Belichtungen; alternativ schneide/zeichne auf OHP-Folie für experimentelle Raster.
  • Photoshop, Affinity oder GIMP für die Raster-Erzeugung; für tiefere Kontrolle ein RIP-Programm.
  • Experimentieren macht den Unterschied

    Halbtöne sind nicht nur Technik — sie sind auch ein Spiel mit Materialität. Probiere ungewöhnliche Farben, lasse Punkte absichtlich verschieben oder kombiniere Raster mit handgemalten Flächen. Manchmal entstehen die besten Ergebnisse, wenn man den perfekten Druck loslässt und dem Prozess Raum zum Experimentieren gibt.