Warum ich Halbtöne mit dem Risograph zuhause liebe
Halbtöne eröffnen eine einfache, aber wirkungsvolle Möglichkeit, mehrfarbige Tiefe in Poster, Illustrationen und experimentelle Drucke zu bringen — ohne auf teure Offset- oder Siebdruck-Setups angewiesen zu sein. Als jemand, der gerne analog und digital kombiniert, habe ich über die Jahre ein kleines, verlässliches Workflow für zuhause entwickelt, das präzise und reproduzierbar ist. In diesem Artikel erkläre ich dir Schritt für Schritt, wie du mit einem einfachen Risograph-Setup saubere Mehrfarb-Halbtöne erzielst.
Was du wirklich brauchst — die Minimal-Ausrüstung
Bevor wir loslegen: du brauchst kein Studio. Mit wenig Platz und einem überschaubaren Budget kannst du bereits sehr gute Ergebnisse erreichen.
Grundprinzipien der Mehrfarb-Halbtöne
Halbtöne funktionieren, indem sie Tonwerte in Rasterpunkte übersetzen. Beim Risograph sind die typischen Herausforderungen:
Wenn du diese drei Aspekte verstehst und kontrollierst, wirst du schnell konsistente Ergebnisse haben.
Rasterauflösung, Punktgröße und Winkel
Die meisten Risograph-Master arbeiten mit groberen Punkten als Offset. Deshalb nutze ich bewusst niedrigere Rasterfrequenzen und größere Punktgrößen — das harmoniert besser mit der Mechanik des Geräts.
| Begriff | Typischer Bereich für Riso | Wirkung |
|---|---|---|
| Rasterfrequenz (lpi) | 10–45 lpi | Grobere Raster vermeiden feine Moirés und passen zur Tintenverteilung |
| Punktgröße | groß/kräftig | Deutliche Punkte, guter Kontrast, wirkt handwerklich |
| Rasterwinkel | 15°–45° | Winkelabstand zwischen Farben reduziert Moiré; typische Kombination z. B. 15°/45°/75° |
Ein häufiger Fehler ist, zu feine Raster zu wählen. Meine Faustregel: je grober die Tinte, desto grober der Raster. Für viele Poster wähle ich 18–28 lpi.
Digitale Vorbereitung — Separation und Screening
Ich bereite meine Dateien in Photoshop vor, weil ich die Kontrolle schätze. So gehe ich vor:
Wichtig: Kontrolliere die Größe und Ausrichtung der Rasterpunkte in 100% Zoom. Manchmal ist der visuelle Eindruck am Bildschirm trügerisch — mache immer Testplots.
Wahl der Farben und Überdrucke
Risograph-Farben sind halbtransparent. Das ist ein Vorteil: Überdrucke erzeugen neue Farben. Ich plane meine Layer so, dass sie zusammenspielen:
Ein Tipp: Erstelle vorher Farbtests mit kleinen Quadraten, die übereinandergedruckt werden, um die Mischwirkung zu sehen.
Registertreue — einfache Tricks für zuhause
Präzises Register ist der Schlüssel. Professionelle Studios nutzen Pins oder Klammern; ich arbeite oft mit einfachen, aber effektiven Methoden:
Bei groberen Halbtönen reichen oft kleine Abweichungen — das gibt einen charmanten, handgemachten Look. Wenn du jedoch feinere Arbeiten machst, investiere in eine kleine Registraturvorrichtung oder baue dir eine Holzleiste mit Metallpins.
Testdrucke — so vermeidest du Frust
Mach viele kleine Tests, bevor du den finalen Druck startest. Ich drucke zunächst auf günstiges Papier in 1/4 Größe, um Dichte, Register und Raster zu prüfen. Achte auf:
Notiere die Einstellungen (Rastergröße, Winkel, Druckreihenfolge), damit du reproduzierbar arbeiten kannst.
Praktische Workflow-Empfehlung
Hier meine Schritt-für-Schritt-Routine, die sich zuhause bewährt hat:
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Ein paar Fehler begegnen mir immer wieder — und ich habe gelernt, sie zu antizipieren:
Materialien und Marken, die ich empfehle
Ein paar Dinge, die mir gute Dienste leisten:
Experimentieren macht den Unterschied
Halbtöne sind nicht nur Technik — sie sind auch ein Spiel mit Materialität. Probiere ungewöhnliche Farben, lasse Punkte absichtlich verschieben oder kombiniere Raster mit handgemalten Flächen. Manchmal entstehen die besten Ergebnisse, wenn man den perfekten Druck loslässt und dem Prozess Raum zum Experimentieren gibt.