Ein Foto kann eine starke, lebendige Akzentfarbe liefern — die Farbe, die einem Poster oder einer Serie den nötigen Kick gibt. In meinen Plakaten passiert das regelmäßig: Ich sehe eine Farbstimmung in einem Schnappschuss, extrahiere daraus eine markante Farbe und setze sie im Siebdruck als kräftigen Spot ein. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ich von einem Foto zu einer druckfertigen Akzentfarbe komme und welche Fallstricke du im Siebdruck beachten solltest.
Warum eine Akzentfarbe aus Fotos verwenden?
Fotos sind reich an Nuancen, Licht und Atmosphäre. Eine aus einem Foto gewonnene Akzentfarbe trägt diese Stimmung direkt ins Layout — sie wirkt organisch, überraschend und oft viel interessanter als eine standardisierte Pantone-Auswahl. Gleichzeitig muss die Farbe für den Siebdruck technisch angepasst werden, damit sie auf Papier oder Karton genauso strahlt wie auf dem Bildschirm.
Schritt 1: Die passende Farbe im Foto finden
Ich beginne mit einem ruhigen Blick auf das Foto. Meist suche ich nach einer Farbe, die im Bild relativ einheitlich und kontraststark gegenüber dem Hintergrund ist — das macht die Extraktion leichter und die Wirkung im Druck stärker.
Tools, die ich nutze:
Wichtig ist, dass du die Farbe nicht ausschließlich auf dem Display beurteilst. Displays variieren stark. Ich lagere die ausgewählte Farbe als Hex/ RGB-Wert und mache sofort einen Proof auf Papier (Drucker oder Ausdruck), um eine erste physische Einschätzung zu bekommen.
Schritt 2: Farbwerte dokumentieren und umrechnen
Sobald ich einen RGB- oder Hex-Wert habe, konvertiere ich ihn in ein druckbares Format. Für Siebdruck arbeiten wir am besten mit Spotfarben (einfarbige Siebdruckfarbe) — nicht mit CMYK-Farben. Zwei Wege sind möglich:
Ich nutze Photoshop/Illustrator, um den RGB-Wert in Lab- und CMYK-Werte umzuwandeln. Lab ist oft hilfreicher für eine gültige Farbanpassung, weil es geräteunabhängig ist. Für den finalen Spotfarbton versuche ich, ein Pantone-Match zu finden — das hilft bei der Kommunikation mit Druckereien und beim späteren Nachmischen.
Schritt 3: Pantone vs. individuelle Mischfarbe
Vor- und Nachteile abgewogen:
Ich persönlich fange oft mit Pantone an, feine die Farbe dann aber mit der tatsächlichen Siebdruckfarbe nach. Viele Siebdruckfarben sind opak/transluzent — das verändert den Eindruck auf dunklem oder strukturiertem Papier erheblich.
Schritt 4: Praktisches Anmischen für Siebdruck
Wenn du selbst mischst, beachte diese Punkte:
Ein Spektralfotometer (z. B. ColorMunki oder X-Rite i1) kann Wunder wirken: Es misst deinen Proof und hilft, das Mischrezept genau anzupassen. Wenn du keins hast, mach mehrere Tests mit kleinen Mengen und dokumentiere visuell.
Schritt 5: Überlegungen zu Maschenweite, Schablone und Deckkraft
Die Maschenweite des Siebs beeinflusst die Farbfläche stark:
| Maschenzahl | Wirkung |
|---|---|
| 43–55 T/cm (coarse) | hohe Farbdeckung, dicker Farbauftrag, gut für flächige, opake Farben |
| 77–120 T/cm (mittel) | gute Balance zwischen Detail und Deckkraft |
| 150+ T/cm (fine) | feine Details, dünnere Farbe, weniger Deckkraft |
Für kräftige Akzentfarben verwende ich oft eine niedrigere Maschenzahl (z. B. 55–77), damit die Farbe opaker und satt wirkt. Achte auch auf die Schablonen-Übertragung (Emulsion) — bei sehr dicken Farben musst du die Emulsionsschicht vielleicht etwas dünner oder dicker auslegen, je nach Bedarf.
Schritt 6: Trapping, Registration und Überdrucken
Akzentfarben werden häufig als Spotfarben gedruckt. Zwei Dinge sind wichtig:
Wenn deine Akzentfarbe über eine andere Farbe gedruckt wird, teste die Reihenfolge der Auflagen: Oft wirkt es am saubersten, die Hintergrundfarbe zuerst und die Akzentfarbe zuletzt zu drucken — besonders wenn die Akzentfarbe opak ist.
Schritt 7: Papiersorte, Oberfläche und Farbwirkung
Die Wahl des Papiers verändert den Farbton stärker als die meisten erwarten. Ein satter Gelbton auf mattem, rauem Karton wirkt stumpfer als auf glänzendem Papier. Ich teste immer auf dem finalen Substrat und notiere die Unterschiede.
Für dunkle Papiere mische ich oft eine opake weiße Schicht (Unterdruck), bevor die Akzentfarbe aufgelegt wird — das sichert Brillanz und Farbtreue.
Schritt 8: Testdrucke, Iteration und Dokumentation
Das A und O: Testdrucke. Drucke kleine Proben, verändere Mischverhältnisse, dokumentiere alles und halte Fotos vom Prozess fest. Notiere:
Nur so kannst du später eine Farbe zuverlässig reproduzieren oder nachbestellen lassen.
Praktische Tipps aus meiner Werkstatt
Wenn du magst, kann ich in einem künftigen Beitrag konkrete Mischrezepte (für gängige Acryl-/Siebdruckfarben) teilen oder eine Schritt-für-Schritt-Videoanleitung zum Mischen und Testen erstellen. Schreib mir, welche Farben oder Fotos dich gerade interessieren — ich antworte gern mit gezielten Tipps.