Handgefertigte typografische Posterreihen haben eine besondere Kraft: sie verbinden Materialität, klare Wort-Bild-Entscheidungen und die Spuren deiner Hand. Nachdem ich viele Posterprojekte umgesetzt habe, teile ich hier meine praktische Vorgehensweise — von der ersten Idee bis zur druckfertigen Datei. Ich schreibe aus der Perspektive dessen, der sowohl analog als auch digital arbeitet, und gebe konkrete Tipps, damit deine Posterreihe zuverlässig und druckfähig wird.
Idee, Konzept und Moodboard
Bevor ich eine Linie ziehe, sammle ich Referenzen. Ein klares Konzept macht später Entscheidungen zu Typo, Farbe und Format leichter. Ich lege mir ein kleines Moodboard an — Fotos, Ausschnitte aus Büchern, Farben, handschriftliche Skizzen. Dabei frage ich mich immer: Welche Stimmung soll die Reihe transportieren? Soll jede Ausfertigung eigenständig funktionieren oder zusammen eine Serie bilden?
Ein paar Fragen, die ich mir stelle:
Format, Auflage und Produktionsmethode wählen
Die Entscheidung für Format und Druckverfahren beeinflusst die Gestaltung massiv. Handsiebdruck, Risographie, Digitaldruck oder Offset — jedes Medium hat eigene Stärken und Einschränkungen.
Für eine handgefertigte Posterreihe kombiniere ich oft Siebdruck- und Digitalausgaben: Entwürfe finalisiere ich digital, teste dann Handsiebdruck-Prototypen, um die Materialwirkung zu prüfen.
Typografie: Auswahl, Hierarchie und Lizenz
Typografie ist das Herz der Arbeit. Ich entscheide mich zuerst für eine Hauptschrift und oft für eine Kontrastschrift. Achte auf folgende Punkte:
Ein praktischer Tipp: Erstelle Textbausteine in InDesign oder Illustrator, passe Tracking und Kerning manuell an und exportiere immer eine Version mit in Pfade umgewandelten Schriftzügen für den Druck, falls der Drucker die verwendeten Schriften nicht besitzt.
Raster, Komposition und Variationen
Ein konsistentes Raster hält die Reihe zusammen. Ich lege ein Grundraster fest (z. B. 12er oder 16er) und entwickle Modulformate für Überschriften, Fließtext und Bildflächen. So lassen sich Varianten schnell erstellen, ohne den visuellen Zusammenhang zu verlieren.
Farbmanagement und Papierauswahl
Farbe ist bei handgefertigten Drucken entscheidend. Entscheide vorab, ob du mit CMYK, Sonderfarben (Pantone) oder direkt mit Pigmenten beim Siebdruck arbeitest.
Ich mache immer Papiermuster und drucke Farbmusterstreifen. Bei Siebdruck ist das Auftragen der Farbe anders als Digital — eine Farbe kann auf rauem Papier matter und dunkler erscheinen.
Analoges Arbeiten und Digitale Vorbereitung
Wenn Teile der Serie handgemalt oder collagiert sind, skizziere in Originalgröße und fotografiere oder scanne mit hoher Auflösung (mind. 300 dpi bei Endformat). Bei texturalen Elementen nutze ich eine flächendeckende Beleuchtung und einen Exakta-Scanner oder eine DSLR mit Stativ.
Datei-Setup und technische Vorgaben für den Druck
Vor dem Export richte ich Dateien so ein, dass der Druckprozess glatt läuft:
Exportieren als druckfertiges PDF/X-1a oder PDF/X-4 ist für viele Druckereien Standard. Ich füge Schnittmarken und Farbbalken hinzu und lege ein separates PDF mit Anschnitt und ein PDF ohne Anschnitt für die digitale Präsentation an.
Proofs, Farbkontrolle und Testdrucke
Ein Proof ist Pflicht. Es gibt verschiedene Stufen:
Ich vergleiche Proof mit dem Original-Moodboard unter neutralem Licht (D50/D65) und notiere Änderungen für den Drucker (z. B. „Farbton zu Magenta um 10 % erhöhen“).
Kommunikation mit der Druckerei
Klare Briefings sparen Zeit und Geld. Ich sende der Druckerei:
Frage vorab nach Schnittfixpunkten und ob die Druckerei Schriften braucht. Vereinbare einen Proof-Termin und plane Puffer für Korrekturen ein.
Finale Tipps aus der Praxis
Einige pragmatische Regeln, die mir immer helfen:
Wenn du möchtest, kann ich dir ein kurzes Checklist-PDF zusammenstellen, das du beim nächsten Posterprojekt abarbeiten kannst — mit Datei-Vorgaben, Proof-Fragen und Papierempfehlungen. Sag mir kurz, welches Druckverfahren du planst, dann passe ich die Liste an.