Handgefertigte typografische Posterreihen haben eine besondere Kraft: sie verbinden Materialität, klare Wort-Bild-Entscheidungen und die Spuren deiner Hand. Nachdem ich viele Posterprojekte umgesetzt habe, teile ich hier meine praktische Vorgehensweise — von der ersten Idee bis zur druckfertigen Datei. Ich schreibe aus der Perspektive dessen, der sowohl analog als auch digital arbeitet, und gebe konkrete Tipps, damit deine Posterreihe zuverlässig und druckfähig wird.

Idee, Konzept und Moodboard

Bevor ich eine Linie ziehe, sammle ich Referenzen. Ein klares Konzept macht später Entscheidungen zu Typo, Farbe und Format leichter. Ich lege mir ein kleines Moodboard an — Fotos, Ausschnitte aus Büchern, Farben, handschriftliche Skizzen. Dabei frage ich mich immer: Welche Stimmung soll die Reihe transportieren? Soll jede Ausfertigung eigenständig funktionieren oder zusammen eine Serie bilden?

Ein paar Fragen, die ich mir stelle:

  • Was ist die dominante Botschaft jeder Arbeit?
  • Welche typografische Sprache passt (reduziert, expressiv, grotesk, Serif)?
  • Welche Materialität möchte ich zeigen (raue Papiere, Siebdruck-Nuancen, Spot-Color)?
  • Format, Auflage und Produktionsmethode wählen

    Die Entscheidung für Format und Druckverfahren beeinflusst die Gestaltung massiv. Handsiebdruck, Risographie, Digitaldruck oder Offset — jedes Medium hat eigene Stärken und Einschränkungen.

  • Siebdruck: großartige Farbdeckung, Möglichkeit für Sonderfarben und dicker Farbauftrag; gut für limitierte Editionen.
  • Risographie: schöne Texturen und limitierte Farbpaletten; sehr charaktervoll für serielle Drucke.
  • Offset/Digital: kosteneffizient bei höheren Auflagen, präzise Farbwiedergabe bei CMYK.
  • Für eine handgefertigte Posterreihe kombiniere ich oft Siebdruck- und Digitalausgaben: Entwürfe finalisiere ich digital, teste dann Handsiebdruck-Prototypen, um die Materialwirkung zu prüfen.

    Typografie: Auswahl, Hierarchie und Lizenz

    Typografie ist das Herz der Arbeit. Ich entscheide mich zuerst für eine Hauptschrift und oft für eine Kontrastschrift. Achte auf folgende Punkte:

  • Lesbarkeit in Postergröße — teste Schriftgrößen und Abstand in Originalgröße.
  • Zeilenlänge und Satzspiegel — eine starke Hierarchie hilft der Aussagekraft.
  • Kerning und optischer Zeichenabstand — auf Plakaten fallen Ungenauigkeiten schnell auf.
  • Lizenz: Prüfe die Nutzungsrechte. Viele Free-Fonts sind für private Nutzung ok, aber kommerzielle Auflagen benötigen oft eine Lizenz (z. B. MyFonts, Fontspring).
  • Ein praktischer Tipp: Erstelle Textbausteine in InDesign oder Illustrator, passe Tracking und Kerning manuell an und exportiere immer eine Version mit in Pfade umgewandelten Schriftzügen für den Druck, falls der Drucker die verwendeten Schriften nicht besitzt.

    Raster, Komposition und Variationen

    Ein konsistentes Raster hält die Reihe zusammen. Ich lege ein Grundraster fest (z. B. 12er oder 16er) und entwickle Modulformate für Überschriften, Fließtext und Bildflächen. So lassen sich Varianten schnell erstellen, ohne den visuellen Zusammenhang zu verlieren.

  • Arbeite mit Proportionen (z. B. Goldener Schnitt, Drittelregel) für Plakate.
  • Teste negative Räume — oft gewinnt ein Poster durch Reduktion.
  • Farbmanagement und Papierauswahl

    Farbe ist bei handgefertigten Drucken entscheidend. Entscheide vorab, ob du mit CMYK, Sonderfarben (Pantone) oder direkt mit Pigmenten beim Siebdruck arbeitest.

  • CMYK: Standard im Offset/Digitaldruck; kontrolliert in Photoshop/Illustrator mit eingebettetem ICC-Profil (z. B. ISO Coated).
  • Pantone/Sonderfarben: ideal für exakte Farbabstimmung und kräftige Töne; nützlich bei Siebdruck.
  • Papier: Hahnemühle, Fedrigoni, Munken — jedes Papier beeinflusst Farbe und Haptik. Teste verschiedene Grammaturen (150–300 g/m²) und Oberflächen (matt, naturfaserig, rau).
  • Ich mache immer Papiermuster und drucke Farbmusterstreifen. Bei Siebdruck ist das Auftragen der Farbe anders als Digital — eine Farbe kann auf rauem Papier matter und dunkler erscheinen.

    Analoges Arbeiten und Digitale Vorbereitung

    Wenn Teile der Serie handgemalt oder collagiert sind, skizziere in Originalgröße und fotografiere oder scanne mit hoher Auflösung (mind. 300 dpi bei Endformat). Bei texturalen Elementen nutze ich eine flächendeckende Beleuchtung und einen Exakta-Scanner oder eine DSLR mit Stativ.

  • Scans: 300–600 dpi, TIFF oder PSD, keine JPEG-Kompression.
  • Fotos: RAW, dann in Lightroom/Camera Raw korrigieren und in sRGB/ProPhoto je nach Workflow exportieren.
  • Datei-Setup und technische Vorgaben für den Druck

    Vor dem Export richte ich Dateien so ein, dass der Druckprozess glatt läuft:

  • Endformat inklusive Beschnitt (Bleed): meist 3–5 mm zusätzlich pro Seite.
  • Rand und Sicherheitszone: halte wichtigen Text mind. 8–10 mm vom Schnitt entfernt.
  • Farbraum: CMYK für Offset/Digital; für Sonderfarben Pantone-Farben definieren.
  • Auflösung: 300 dpi für Fotos und Raster; Vektorelemente in Illustrator bleiben ungerastert.
  • Schriften: entweder einbetten oder in Pfade konvertieren; bei großen Auflagen empfehle ich, Schriften nicht zu konvertieren, sondern dem Drucker die OTF/TTF zu liefern — kläre das vorab.
  • Exportieren als druckfertiges PDF/X-1a oder PDF/X-4 ist für viele Druckereien Standard. Ich füge Schnittmarken und Farbbalken hinzu und lege ein separates PDF mit Anschnitt und ein PDF ohne Anschnitt für die digitale Präsentation an.

    Proofs, Farbkontrolle und Testdrucke

    Ein Proof ist Pflicht. Es gibt verschiedene Stufen:

  • Digitalproof (Softproof): zeigt grobe Farbwerte, ist aber kein Ersatz für einen zertifizierten Hardproof.
  • Hardproof: gedrucktes Muster auf dem Zielpapier oder einem ähnlichen Papier (zertifiziert, mit ICC-Profil).
  • Handmuster: Bei Siebdruck mache ich kleine Testdrucke, um die Farbdeckung und den Farbauftrag zu prüfen.
  • Ich vergleiche Proof mit dem Original-Moodboard unter neutralem Licht (D50/D65) und notiere Änderungen für den Drucker (z. B. „Farbton zu Magenta um 10 % erhöhen“).

    Kommunikation mit der Druckerei

    Klare Briefings sparen Zeit und Geld. Ich sende der Druckerei:

  • PDF/X-Dateien mit Beschnitt und Schnittmarken.
  • Ein kurzes Dokument mit farblichen Vorgaben, Papiermustern und gewünschter Auflage.
  • Angaben zu Sonderfarben, Registeranforderungen und eventuellen Veredelungen (z. B. Spot-UV, Lacke).
  • Frage vorab nach Schnittfixpunkten und ob die Druckerei Schriften braucht. Vereinbare einen Proof-Termin und plane Puffer für Korrekturen ein.

    Finale Tipps aus der Praxis

    Einige pragmatische Regeln, die mir immer helfen:

  • Arbeite iterativ: mehrere kleine Tests sind günstiger als eine grosse Fehldruckauflage.
  • Dokumentiere Farbmischungen und Einstellungen, damit du eine Edition reproduzieren kannst.
  • Bewahre originale Handskizzen und Materialproben — sie sind nützlich für spätere Reprints und als Referenz.
  • Denke an die Präsentation: Passe Passepartouts oder Posterhänger an deine Serie an, damit die Handfertigkeit sichtbar bleibt.
  • Wenn du möchtest, kann ich dir ein kurzes Checklist-PDF zusammenstellen, das du beim nächsten Posterprojekt abarbeiten kannst — mit Datei-Vorgaben, Proof-Fragen und Papierempfehlungen. Sag mir kurz, welches Druckverfahren du planst, dann passe ich die Liste an.