Warum 48 Stunden?
Manchmal braucht ein Event ein Plakat jetzt — ein Konzert, eine Lesung, eine Ausstellung. Ich habe mir angewöhnt, in kurzen Zeitfenstern zu arbeiten: 48 Stunden sind genug, um ein starkes Konzept zu entwickeln, ein sauberes Layout zu machen und eine kostengünstige Produktion anzustoßen. Wichtig ist ein klares Verfahren und Entscheidungen, die Zeit sparen statt sie zu fressen.
Stunde 0–4: Konzept und Eingrenzung
Bevor ich den Computer anmache, beantworte ich drei Fragen auf einem Blatt Papier:
- Wer? Zielgruppe und Auftraggeber — Studierende, Klubpublikum, Kulturinteressierte?
- Was? Art des Events: Konzert, Vortrag, Ausstellung — das beeinflusst Bildsprache und Ton.
- Wichtigste Info? Datum, Ort, Uhrzeit, Ticketlink/Preis — diese Daten müssen auf einen Blick lesbar sein.
Mit diesen Antworten lege ich das Format (A2, A3, A1) und ein grobes Farbschema fest. Für schnelle, kostengünstige Drucke sind A3 oder A2 oft die besten Formate — sichtbar genug, ohne gleich teuer zu werden.
Stunde 4–12: Bildidee und Typografie
Ich skizziere 3 Varianten: eine typografische, eine grafische (Collage oder reduzierte Illustration) und eine fotografische. Meist entscheide ich mich für die Variante, die mit möglichst wenigen Elementen funktioniert — das spart Zeit und Druckkosten.
Typografie: Ich wähle maximal zwei Schriften. Eine Grotesk für Hauptinfo (z. B. Helvetica Neue, Roboto, Inter) und eine etwas markantere Schrift für Titel oder Akzente (z. B. Bodoni für einen eleganteren Look oder GT America für Charakter). Wenn du Schriftlizenzen sparen willst, greife auf Google Fonts zurück.
Stunde 12–24: Layouten und Dateien vorbereiten
Ich arbeite in Adobe InDesign oder Affinity Publisher — beides erlaubt saubere Satzspalten und Export als druckfertiges PDF. Für einfache Poster tut es auch ein gut organisiertes Illustrator- oder Photoshop-Dokument.
Technische Vorgaben:
- Auflösung: Bilder 300 dpi bei Druckgröße.
- Farbraum: CMYK für Druck, RGB nur für Webvorschau.
- Anschnitt (Bleed): 3–5 mm rundum.
- Schriften: Einbetten oder in Kurven/Outlines konvertieren.
- Export: PDF/X‑1a oder PDF/X‑4 für maximale Kompatibilität.
Wichtig: Halte zentrale Informationen in einer sicheren Zone (mindestens 10–15 mm vom Rand). Wenn das Layout stark typografisch ist, erstelle eine Version mit leicht vergrößerten Schriftgrößen, damit auch aus Entfernung alles lesbar bleibt.
Stunde 24–30: Proofing und letzte Entscheidungen
Ich lasse das PDF kurz ruhen und prüfe es mit frischem Blick. Dann gebe ich es an eine vertraute Person, die auf Rechtschreibung und Verständlichkeit schaut. Tipp: Drucke eine A4-Vorschau auf normalem Drucker, um Proportionen und Lesbarkeit zu prüfen.
Budgetentscheidung: Jetzt entscheide ich, ob ich analog (Siebdruck, Risograph) oder digital drucken lasse.
Produktion — günstige Optionen
Je nach Budget und Auflage wähle ich eine der folgenden Möglichkeiten:
- Lokal: Copyshop / Digitaldruck — schnell, günstig bei kleinen Auflagen (10–100). Gute Wahl, wenn du maximale Flexibilität brauchst.
- Online-Druckereien (z. B. Flyeralarm, Vistaprint) — günstig bei mittleren Auflagen, oft 24–48h Produktion möglich.
- Alternative Druckverfahren (Risograph, Siebdruck) — einzigartiger Look, aber in der Regel teurer und mit längeren Vorlaufzeiten. Lokale Werkstätten oder Makerspaces sind oft günstiger als kommerzielle Siebdruckereien.
- DIY-Siebdruck — wenn du Zugang zu einem kleinen Studio hast, kannst du in 48 Stunden eine kleine Serie drucken; das spart Kosten pro Stück, erfordert aber Material und Zeit.
| Kleine Auflage | Vorteile | Typischer Preis |
|---|---|---|
| 10–50 | Schnell, flexibel | €0,8–€3 pro Stück (A3) |
| 50–200 | Günstiger pro Stück | €0,5–€2 pro Stück |
| 200+ | Beste Stückkosten | €0,2–€1 pro Stück |
Stunde 30–36: Bestellung und Kommunikation mit der Druckerei
Wenn du online bestellst, achte auf die Druckvorschau und die Dateieninstellungen des Anbieters. Für den Copyshop rufe vorher an oder schicke eine Druckanfrage per E‑Mail — so kann die Produktion oft noch am selben Tag starten.
Was ich der Druckerei immer schreibe:
- Format und Anschnitt
- Wenn Sonderpapier gewünscht ist: Grammatur und Oberfläche (z. B. Munken, Munken Pure oder Metapaper)
- Ob es sich um randabfallende Flächen handelt
- Kontakt für kurzfristige Rückfragen
Stunde 36–48: Abholung, Verpackung und Verteilung
Sobald die Plakate fertig sind, hole ich sie persönlich ab (wenn möglich) oder lasse sie schnell liefern. Achte beim Einrollen auf stabile Papprollen oder auf Karton für größere Formate, damit nichts knickt.
Verteilungstipps:
- Hänge eine kleine Serie dort auf, wo deine Zielgruppe unterwegs ist: Uni, Café, Kulturzentrum.
- Fotografiere das fertige Plakat für Social Media — ein gut gestaltetes Foto verstärkt die Wahrnehmung.
- Wenn es legal ist, markiere die Plätze, an denen du posters aufhängst (manche Städte haben Regeln).
Praktische Tricks, die Zeit und Geld sparen
- Limitierte Farbpalette: Reduziere auf 1–2 Farben plus Schwarz — das senkt die Druckkosten und wirkt oft stärker.
- Vektor statt Bild: Wenn möglich, arbeite mit Vektorformen statt großen Rasterbildern — kleinere Dateien, sauberer Druck.
- Standardformate: Verwende Standardgrößen (A3/A2) — günstiger und schneller verfügbar.
- Netzwerk nutzen: Frag lokale Kollektive oder Hochschulen — oft gibt es günstigere Produktionsmöglichkeiten.
Dokumentation und Nachbereitung
Ich archiviere alle Final-PDFs, Druckspezifikationen und Belege. So kann ich beim nächsten Mal schneller bestellen oder eine Nachproduktion anstoßen. Außerdem sammele ich Fotos von den aufgehängten Postern — das hilft bei der Promotion und als Referenz für zukünftige Projekte.
Wenn du magst, kann ich in einem nächsten Beitrag eine kurze Checkliste als druckbare PDF anbieten oder ein Template in InDesign/Affinity zum Download bereitstellen — sag mir einfach welches Format du oft brauchst (A3, A2, A1) und welche Druckart du bevorzugst.